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2 Gesichter, 1 Sonntagswurf, 2 Punkte

Am Samstagabend stand das Schlagerspiel zwischen den beiden bestplatzierten aufstiegsberechtigten Teams an: Der Tabellenzweite ESV 1927 Regensburg (19:5 Punkte) empfing den Dritten, die SG Schozach/Bottwartal (17:7).


Der starke Aufsteiger aus dem nordöstlich von Stuttgart gelegenen Landkreis Ludwigsburg hatte vor dem Anpfiff die Chance, mit einem Sieg mit den „Eisenbahnerinnen“ gleichzuziehen. Der ESV wollte – im hoffentlich letzten Heimspiel in der Sporthalle Königswiesen – die Gelegenheit nutzen, den härtesten Verfolger zu distanzieren. Der perfekte Rahmen für ein spannendes Spiel, das dann sogar denkwürdig werden sollte. Nach 81 Sekunden führten die Gastgeberinnen nach Treffern von Julia Drachsler und Andrea Vlachova mit 2:0. Schozach/Bottwartal zeigte sich davon aber unbeeindruckt und attackierte geschickt den Angriff-Abwehr-Wechsel des ESV. Die SG war aber nicht nur aus Schnellangriffen erfolgreich, sondern stellte die ESV-Deckung auch über das gekonnte Spiel über den Kreis vor Probleme. Zudem konnte sich Keeperin Jana Brausch, eine der stärksten Keeperinnen der Liga, einige Male auszeichnen. Schozach/Bottwartal führte dann nach neun Minuten mit 6:3 und die Regensburgerinnen, die mit einer nicht eingeplanten Auswärtsniederlage in Möglingen in das neue Handball-Jahr gestartet waren, hatten richtig Druck auf dem Kessel. Nach dem Anschlusstreffer von Drachsler sorgte ein Doppelschlag der famosen Rechtsaußen Schiegerl gut drei Minuten später dann für den Ausgleich (6:6). Im weiteren Verlauf des ersten Durchgangs wogte die Partie auf gutem Niveau hin und her: Kurz vor dem Seitenwechsel brachte eine Umstellung der ESV-Abwehr, eine enge Deckung gegen die bundesligaerfahrene Aufbauspielerin Svenja Kaufmann, streute Sand ins Getriebe des Angriffsmotors der SG und drei Ballgewinne in Serie machten aus dem 14:16-Rückstand aus Regensburger Sicht noch das Optimum: ein 17:17 zur Halbzeit.

In der Kabine hatten die Spielerinnen hüben wie drüben vermutlich zu viel Zeit, über die enorme Bedeutung dieser Vier-Punkte-Partie nachzudenken. Nach dem Seitenwechsel zeigten beide Teams ein ganz anderes Gesicht:  Aus einer bis dato sehr ansehnlichen Partie mit vielen Treffern wurde eine – positiv formuliert – Abwehrschlacht zweier in der Offensive nun wesentlich ungenauer agierenden Teams. Waren es bei Schozach/Bottwartal zumeist Fehlwürfe gegen die nach Wiederanpfiff glänzend aufgelegte Keeperin Kristyna Hurtova, waren es beim ESV mehrere missglückte Kreisanspiele, die die sauer verdienten Ballgewinne in der Defensive zunichtemachten. Schwachpunkt beim ESV war an diesem Abend die Linksaußenposition, von dort fand kein einziger Ball den Weg ins Tor. Die Ballverluste und vergebenen Chancen strapazierten nicht nur das Nervenkostüm der zahlreich erschienenen Zuschauer, sondern auch das der Spielerinnen. Den Protagonistinnen mangelte es an Traute: Die ESV-Deckung arbeitete sensationell gegen die 7:6-Überzahlangriffe Schozach/Bottwartals, doch es fehlte der Mut, nach Ballgewinnen auf das verwaiste leere Tor der Gäste zu werfen. Die Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten sorgten dafür, dass in den ersten 20 Minuten des zweiten Durchgangs nur neun Tore fielen. Regensburg hatte in der Schlussphase die besseren Chancen, verpasste aber mit zwei vergebenen Strafwürfen und einem „Toten“ vom Kreis die Vorentscheidung. So kam es, wie schon im Hinspiel, zu einer denkwürdigen letzten Minute. 23:23 hieß es auf der Anzeigetafel, Regensburg hatte Ballbesitz. Schozach/Bottwartal verteidigte drei Durchbruchversuche gekonnt und hatte sich drei Sekunden vor dem Ende das Unentschieden verdient, aber eben noch nicht gesichert. Franzi Peter überraschte die noch nicht sortierte SG-Deckung dann mit einem direkt ausgeführten Freiwurf. Der Sonntagswurf landete eine Sekunde vor Ultimo im Giebel und der Regensburger Jubel kannte keine Grenzen. Durch den 24:23-Sieg besitzt der ESV nun vier Punkte Vorsprung auf die Verfolger. Die ersten beiden Partien des Jahres haben aber gezeigt, dass viel Arbeit auf Mannschaft und Trainer wartet. Da kommt das spielfreie kommende Wochenende gerade recht, denn am 9. Februar bei Spitzenreiter TuS Metzingen müssen die Regensburgerinnen eine insgesamt deutlich bessere Leistung zeigen, um bestehen zu können.         

Foto: Andreas Nickl

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