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Coburg erst mit Problemen und dann für die Galerie

2. HANDBALL-BUNDESLIGA – Der HSC 2000 Coburg liegt im ersten Durchgang gegen den ThSV Eisenach sogar zurück. Dann folgen ein 10:2-Lauf und viele spielerische Kabinettstückchen.


Coburg – In Coburg hatten die Sportfans am vergangenen Samstagabend die Wahl zwischen dem EM-Qualispiel der Fußballer vor dem Fernseher oder den Stream des fränkisch-thüringischen Derbys der 2. Handball-Bundesliga zwischen dem HSC 2000 Coburg und dem ThSV Eisenach. Die beste Wahl hatten aber die 3.316 Besucher getroffen, unter ihnen über 300 Eisenacher, die sich auf dem Weg in die Halle gemacht hatten. Sie mussten ihr Kommen nicht bereuen. Beide Trainer waren begeistert von der Rekordkulisse, die einen phantastischen Rahmen für die nach dem Wechsel einseitige Partie bot. Beide Fanlager präsentierten eine sehenswerte Choreo, die Maskottchen beider Teams, Vestus und Schorsch alberten durch die Halle. Alle sahen eine interessante Partie, die Coburg aufgrund einer Leistungssteigerung deutlich mit 31:23 gewann.

Insbesondere vor der Pause zogen sich allerdings die SR, die bei vielen strittigen Entscheidungen eine unglückliche Figur abgaben, den Zorn des Coburger Publikums zu und beschäftigten die HSC-Spieler scheinbar mehr als das Spiel selbst. Anders als bislang bestimmten die Coburger dieses Heimspiel nicht von Beginn an. Selbst eine harte rote Karte gegen Adrian Wöhler, der vom Siebenmeterstrich Konstantin Poltrum am Kopf traf, beflügelte eher die Eisenacher als den HSC. Bei ihnen gab es zu viele Ungenauigkeiten im Spielaufbau. Derbys haben bekanntlich ihre eigenen Gesetze und lange sah es auch danach aus. Denn in den ersten dreißig Minuten gestaltete Eisenach die Partie völlig offen, führte sogar. „Da haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht. Wir haben den Gegner zu oft zu Toren eingeladen, waren nicht konzentriert genau. Nach dem Wechsel haben wir bis zur 50. Minute nur vier Gegentore kassiert. Das war nach der doch schwachen ersten Halbzeit wirklich spitze von der Mannschaft“, lobte HSC-Geschäftsführer Michael Häfner den Auftritt des Teams nach dem Seitenwechsel.

Bis dahin profitierten die Gäste von zahlreichen Coburger Fehlern, die sich mit anderen Dingen mehr beschäftigten anstatt sie auf ihr Spiel zu konzentrieren. Doch schon Ende des ersten Durchgangs wendete sich das Blatt. Nun nutzte Coburg die sich häufenden Ungenauigkeiten im Eisenacher Spiel. Egal ob Obranovic oder Saul – der gesamte Eisenacher Rückraum blieb ohne Durchschlagskraft. Lumbroso war mehr oder weniger auf sich alleine gestellt. Lediglich Snajder durch seine vorgezogene Position war noch mit Kontern erfolgreich. Es dauerte eine Halbzeit lang, bis die Coburger sich auf Lumbroso eingestellt hatten, ihn nach der Pause mehr oder weniger kalt stellten. Da kippte die Partie, die bis dato eine auf Augenhöhe gewesen war, deutlich zugunsten der Gastgeber. Überhaupt war es deren nun effiziente Abwehrarbeit, die Eisenach immer mehr ins Hintertreffen gerieten ließ. Schröder war vorne nicht nur Antreiber und Torschütze beim HSC, sondern organisierte hinten gemeinsam mit seinen Nebenleuten nun ein Bollwerk, durch das es für den ThSV kaum noch ein Durchdringen gab. Das schlug sich auch deutlich in Toren nieder. Denn aus dem 11:13 Rückstand machte Coburg bis zur 40. Minute ein 21:15. Zehn Minuten später führten sie mit 27:18, zwischendurch war Schröder, von der Eisenacher Abwehr oft überhart genommen, nach dem 18:15 ein Hattrick geglückt.

Von den Gästen war nicht mehr viel zu sehen, da Alleinunterhalter Lumbroso, der noch vor der Pause die HSC-Abwehr, oft Schritte verdächtig, ausgetanzte, seine Effektivität verloren hatte, was aber auch an der besser zupackenden HSC-Abwehr lag. Sie hielt den wuseligen, flinken israelischen Nationalspieler nun in Schach, dessen Nebenleute fast auf der ganzen Linie versagten. Aus den Balleroberungen in  der Deckung waren nun auch die Coburger mehrmals erfolgreich. Da nützten selbst Umstellungen in der Defensive bei Eisenach nichts mehr. Symptomatisch für deren Spiel eine Szene aus der 49. Minute. Erst trifft Snajder frei bei einem Konter nur die Latte, der Abpraller landet genau in den Armen von Rakic, der den Ball an die gleiche Stelle des Coburger Gehäuses „nagelt“ und im direkten Gegenzug zappelt der Ball nur drei Sekunden später im Tor des ThSV zum 26:18. Spätestens jetzt war Eisenach geschlagen. Im Gefühl des sicheren Sieges packten die Coburger sehenswerte Spielzüge mit Rückhandanspielen und technischen Raffinessen aus. Den Höhepunkt schloss Florian Billek zum 30:22 ab, der ein Kempa-Anspiel von Zetterman verwandelte.

Am Karsamstag 2020 sehen sich die Teams in der Werner-Aßmann-Halle in Eisenach wieder. Doch so einfach wie in der zweiten Halbzeit werden es die Coburger dann wohl nicht haben. Eisenachs Coach Sead Hasanefendic hat bereits jetzt seine Lehren aus der Niederlage gezogen, diese in der Pressekonferenz nach der Partie in einem fast zehnminütigen Statement genauestens analysiert.

 

 

Stimmen

HSC-Trainer Jan Gorr: „Im Gegensatz zu den bisherigen Heimspielen haben wir es diesmal erst nach der Pause geschafft, die Weichen auf Sieg zu stellen. Bis dahin haben uns viele Nebensächlichkeiten beschäftigt. Trotz des unglücklichen Einstiegs in die zweite Halbzeit mit einem Ballverlust gleich nach Wiederanpfiff, haben wir uns ganz anders präsentiert. Die Abwehr zeigte viel Lauffreude und ließ sich kaum noch überwinden.“

ThSV-Trainer Sead Hasanefendic: „Wir haben nicht so gespielt wie wir das wollten. Vor der Pause war es ein sehr interessantes Handballspiel, in dem wir Coburg in Bedrängnis gebracht haben. Da hatten wir eine gewisse Sicherheit in unserem Spiel. Die ist verloren gegangen, ein paar meiner Spieler schienen überhaupt nicht in der Halle. Das haben wir nach der Pause nicht mehr kompensieren können.“

 

 

Statistik

HSC 2000 Coburg – ThSV Eisenach                                                                                         31:23 (15:14).

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (17 Gegentore, 9 Paraden), Konstantin Poltrum (6 Gegentore, 4 Paraden); Maximilian Jaeger (4), Lukas Wucherpfennig (1/1), Felix Sproß, Sebastian Weber (1), Florian Billek (8/4), Marcel Timm (1), Pontus Zetterman (4), Girts Lilienfelds, Tobias Varvne (3), Stepan Zeman (3), Andreas Schröder (5), Christoph Neuhold (1). Trainer: Jan Gorr.

ThSV Eisenach: Blaz Voncina (21 Gegentore, 6 Paraden), Denis Karic (10 Gegentore, 2 Paraden); Hannes Iffert (1), Luka Kikanovic, Adrian Wöhler (1/1), Jonas Ulshöfer, Duje Miljak, Ante Tocic (2/2), Jonas Richardt (2), Justin Mürköster, Andrej Obranovic (2), Yoav Lumbroso (6), Ivan Snajder (7), Marko Racic (2), Willy Weyrauch, Alexander Saul. Trainer: Sead Hasanefendic.

SR: Marcus Hurst / Mirko Krag

Spielfilm: 1:1 (3.), 3:1 (4.), 4:3 (7.), 4:4 (8.), 6:4 810.), 7:7 (15.), 7:9 (18.), 10:10 (23.), 11: 13 (27.), 13:13 (29.), 15:14 – 15:15 (31.), 21:15 (40.), 22:16 (43.), 25:17 (47.), 27:18 (50.), 27:21 (56.), 30:22 (59.), 31:23.

Zuschauer: 3.316

Siebenmeter: 5/6 – 3/4

Strafminuten: 8 (Wucherpfennig, Jaeger, Zeman, Varvne) – 10 (Iffert, Miljak, Mürköster, Snajder, Saul); rote Karte gegen Wöhler (23.)

Beste Spieler: Schröder, Billek – Lumbroso, Snajder.

TEXT: RBI - RALPH BILEK

 

Interview:Th. Levknecht                                                                                 14.11.2019

2.Handballbundesliga Männer

Vor dem fränkisch-thüringischen Nachbarschaftsvergleich HSC Coburg - ThSV Eisenach

„Wir haben ein Team mit einer interessanten Mischung aus jungen, hungrigen Spielern auf der einen und einigen sehr erfahrenen Korsettstangen auf der anderen Seite.“

         Nachgefragt bei Jan Gorr, dem Coach des HSC Coburg

In der HUK-Coburg Arena steigt am Samstag 16.11.2019 ab 19.30 Uhr das Spitzenspiel der 2. Handballbundesliga der Männer, wenn Gastgeber HSC Coburg auf den ThSV Eisenach trifft.

Wir sprachen im Vorfeld mit Jan Gorr, dem Coach der Franken.

Das Spitzenspiel des 12. Spieltages führt den HSC Coburg und den ThSV Eisenach aufeinander. Überrascht von dieser Konstellation?

Nun ja, ob diese Konstellation im Vorfeld zu erwarten war oder nicht, auf jeden Fall ist es toll, dass beide Teams bisher eine wirklich gute Saison gespielt haben und es sich aus meiner Sicht auch redlich verdient haben, zumindest aktuell im vorderen Bereich zu stehen.

Wie sehen Sie die Liga nach zehn Spieltagen?

Ich möchte es so sagen: die Liga hält was sie auch im Vorfeld versprochen hat. Jede Mannschaft kann jeden Gegner schlagen und man sieht das jedes Wochenende aufs Neue. Sowohl im Tabellenkeller als auch im Spitzenbereich ist für reichlich Spannung gesorgt. Vor allem für die Fans ist das natürlich hochinteressant.

Bei einem der eigentlich ganz oben erwarteten Teams, der bis dato in heimischer Halle sieglosen SG BBM Bietigheim, riss die Siegesserie Ihrer Mannschaft mit einer 23:27-Niederlage. Mit Abstand betrachtet, woran hat es gelegen?

Aus meiner Sicht hat es an mehreren Dingen gelegen. Zum einen natürlich an unserer Leistung in Angriff und Abwehr, wo aus meiner Sicht einfach ein paar entscheidende Prozentpunkte gefehlt haben. Das war zu wenig, um auswärts zu punkten. Und andererseits gab es da natürlich auch den Gegneranteil. Bietigheim hat wirklich sehr gut verteidigt und im Angriff viel disziplinierter gespielt als in den vergangenen Partien.

 

Das Prunkstück in der Vorsaison des HSC Coburg war die Abwehr. Doch der Innenblock mit Markus Hagelin und Anton Prakapenia zog im Sommer das HSC-Trikot aus. Die Neuzugänge Andreas Schröder und Stepan Zemann sollten es zusammen mit Marcel Timm reißen. Wie ist die Entwicklung verlaufen?

Das stimmt. Das war die größte Aufgabe in der Vorbereitungszeit. Und heute redet bei uns fast niemand mehr von der letzten Saison und unserer Deckungsformation. Das spricht für meine Jungs und die schnelle Integration. Nichtsdestotrotz ist es auf gar keinen Fall selbstverständlich, zwei so erfahrene Spieler wie Anton und Markus zu ersetzen, die viel für unser Team geleistet haben. Und so werden wir es nur über die gesamte Saison hinweg beweisen können, dass uns das auch in der neuen Formation wirklich gelingt.

Wie zufrieden sind Sie generell mit der Bilanz nach 10 Spieltagen?

Grundsätzlich kann sich unser Abschneiden bis zum jetzigen Zeitpunkt mit Platz 2 und 16:6 Punkten durchaus sehen lassen. Allerdings waren wir in unseren ersten beiden Auswärtsspielen nicht richtig auf der Höhe und haben keine Punkte in Aue und Hüttenberg einfahren können. Die fehlen zu einer hervorragenden Bilanz. Von daher sind wir weiter hungrig und wollen unsere Bilanz unbedingt ausbauen.

Girts Lilienfelds, der ehemalige Eisenacher, sollte oder wollte ja eigentlich den Fokus auf seine berufliche Entwicklung legen, nur noch in der zweiten Mannschaft spielen, steht aber Woche für Woche seit dem Sommer um Zweitbundesliga-Punkte auf dem Parkett…?

Das ist richtig. Girts ist auch nach wie vor dabei, seine Berufsausbildung bei der Firma Schumacher zu machen. Aufgrund von dem verletzungsbedingten Ausfall von Jakob Knauer im rechten Rückraum hat er sich aber bereit erklärt, diesen Verlust bis zu Jakobs Rückkehr aufzufangen. Das war und ist extrem wichtig für unser Team und dafür bin ich ihm auch sehr dankbar.

Wie würden Sie Ihre aktuelle Mannschaft charakterisieren?

Wir haben ein Team mit einer interessanten Mischung aus jungen, hungrigen Spielern auf der einen Seite und einigen sehr erfahrenen Korsettstangen auf der anderen. Das ist auch Bestandteil unserer Vereinsphilosophie im Rahmen des „Coburger Wegs“. Dass diese Mischung auch auf hohem sportlichem Level miteinander funktioniert, ist immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Die Spieler haben naturgemäß unterschiedliche Interessen und auch ganz andere Lebenssituationen. Schließlich liegen teilweise mehr als 15 Jahre dazwischen. Bisher haben wir aber überwiegend gute Erfahrungen mit unserem eingeschlagenen Weg gemacht und es macht viel Freude, unserem Team zuzuschauen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung beim ThSV Eisenach?

Als Aufsteiger hat man es in der Regel extrem schwer, direkt in der neuen Liga anzukommen und Fuß zu fassen. Dass dieser Aspekt dem ThSV bisher so gut gelungen ist, spricht für eine ausgezeichnete Arbeit und Vorbereitung. Letztlich konnte man den vorübergehenden Abstieg aus der 2. Liga wohl auch nutzen, um ein paar wichtige und neue Weichenstellungen vorzunehmen.

Was erwarten Sie am Samstag? Was geben Sie Ihrer Mannschaft mit auf den Weg?

Am Samstag wartet aus meiner Sicht ein emotionales Derby auf beide Mannschaften und ihre Fans. Die Kartennachfrage ist im Vorfeld extrem groß und die Begegnung wird einen tollen Rahmen haben. Wir möchten von unserer Seite aus natürlich auch in diesem Heimspiel die Punkte erkämpfen und zeigen, dass wir zu Hause nicht ohne Grund ungeschlagen sind. Dabei wissen wir aber sehr wohl, dass wir mit Eisenach einen sehr starken Gegner zu Gast haben. Und genau diese Spiele sind ja immer etwas Besonderes.

Wie sieht es personell aus? Ist Christoph Neuhold wieder dabei?

Hier müssen wir letztendlich den Verlauf der Trainingswoche abwarten. Bisher sieht es aber sehr gut aus und ich hoffe, dass wir am Samstag wieder nahezu in Vollbesetzung auflaufen können.

 

Danke für das Interview.

Thomas Levknecht

 

 

 

 

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