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Marcel Timm macht den Humba …

2. HANDBALL-BUNDESLIGA – Der HSC 2000 Coburg weist den direkten Verfolger ASV Hamm-Westfalen in einem Handball-Spektakel mit 36:28 in die Schranken.


 

Coburg – Der HSC 2000 Coburg und der ASV Hamm-Westfalen boten den Zuschauern eine Hochtempo-Partie, ein wahres Handball-Spektakel. Mit einem 36:28-Erfolg revanchierte sich Coburg für die bittere Niederlage an gleicher Stelle im Mai. Bei ihnen brillierte Billek, der alle seine elf Würfe im gegnerischen Tor versenkte und ein in der Abwehr rackernder und im Angriff kaum zu stoppender Schröder. Fast schon obligatorisch war die bärenstarke Leistung von TW Jan Kulhanek, der seinen Vertrag bis 2021 verlängert hat. Auf Seite der Westfalen war Ex-HSCler Lex nahezu auf sich alleine gestellt. Trotzdem hatte Hamm großen Anteil an dieser packenden Partie, weil sie Coburg vor immer neue Aufgaben stellten – ohne durchschlagenden Erfolg. Siebter Feldspieler, Manndeckung gegen Vravne, 4:2-Deckung – alles verpuffte gegen berauscht aufspielende Coburger. „Das war eine dominante Leistung mit den richtigen Antworten auf die vom Gegner gestellten Aufgaben“, war HSC-Coach Jan Gorr voll des Lobes.

Als Dominic „Bobo“ Kelm gut eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff der Partie Stühle durch die Halle trug, war klar, dass die etatmäßigen Kreisläufer Sebastian Weber und Stepan Zeman ihre Verletzungen überwunden hatten und spielbereit waren. Kelm nahm es mit einem Schmunzeln: „Für mich hat es nicht mehr gereicht“, äußerte der „Stand-by-Zweitligaspieler“. Die zweite Mannschaft, der er zuletzt fehlte, wird es erleichtert zur Kenntnis nehmen. Dafür gab es neue schlechte Nachrichten aus dem Rückraum. Christoph Neuhold laboriert an muskulären Problemen an der Wade. Dessen Einsatz war somit unmöglich, die Ausfallzeit noch offen. Ihn selbst ärgerte es am meisten, war Hamm doch seine erste Station in Deutschland und gerne hätte er gegen seine alten Teamkollegen gespielt.

Gleich der erste Coburger Treffer war sehenswert herausgespielt, zuletzt wurde Jaeger von Schröder per Rückhandanspiel bedient. Im nächsten HSC-Angriff  wollte dessen Gegenspieler, Ex-HSCler Stefan Lex sich nicht mehr düpieren lassen, nahm Schröder aber zu hart und musste zwei Minuten auf die Bank. Aber Coburg machte zu wenig aus seinen Optionen. Erst scheiterte Weber, kurz darauf Jaeger frei vor einem weiteren Ex-Coburger, Oliver Krechel im Tor. Anstatt 4:1 stand es bald 2:2, ehe sich Marcel Timm, ebenfalls hart genommen, energisch gegen zwei Gästespieler durchsetzte. Diese ersten gut fünf Minuten brachten einen Vorgeschmack auf das, was noch zu erwarten war. Dazu gehörten auch überragende Paraden von Jan Kulhanek, was eine Drei-Tore-Führung ermöglichte.

ASV-Coach Rothenpieler nahm zu diesem Zeitpunkt die Auszeitkarte in die Hand, wartete noch einen Angriff ab und justierte dann sein Team neu. Das spielte darauf eine Zeitstrafe fast komplett herunter, doch dann kam die Minute des Florian Billek. Erst brachte er losgeschickt von Zetterman einen Konter im Gehäuse von Krechel unter, mit dem er zudem zusammenstieß, was für beide ohne Folgen blieb. Dann erhaschte er einen Querpass von Stefan Lex und überraschte damit auch Krechel der an der Seitenlinie in Diskussion mit der Bank stand. Der HSC-Rechtsaußen traf zum 9:3 ins leere Tor. Nicht nur dafür gab es von der frenetischen Kulisse Szenenapplaus, sondern auch für die aufmerksame Deckungsarbeit, wo um jeden Ball gekämpft wurde und so zahlreiche erobert wurden. In dieser Phase gelang Coburg einfach alles.

Hamm kam überhaupt nicht ins Spiel – Rothenpieler reagierte nach einem Sieben-Tore-Rückstand mit der zweiten Auszeit und Coburg wurde etwas leichtsinnig ob dieser Führung. Am auffälligsten bei den Gästen war noch Lex, der Kulhanek mehrmals mit lange verzögerten Würfen überraschte. Doch endlich zeigte auch Hamm, warum sie direkt hinter dem HSC in der Tabelle rangieren. Kreisanspiele kamen zum Mann, zudem unterbanden sie mit einer 5:1-Abwehr den Spielfluss im HSC-Rückraum.

Fünf Minuten vor dem Pausenpfiff hatten die Coburger mit zwei Mann in Unterzahl eine kritische Phase zu überstehen und zudem in dieser die Pfiffe der SR nicht unbedingt auf ihrer Seite. Mit Pfiffen bedacht wurde ab diesem Zeitpunkt Lex, der nach Meinung der Fans eine rote Karte gegen Varvne provozieren wollte. Doch mit einem 2:2-Remis gingen sie aus der Unterzahl heraus. In einer Partie, die nun höchstes Tempo auf beiden Seiten bot, setzten sie sich mit in der Abwehr eroberten Bällen erneut ab. Und nach dem Wechsel ging es im atemberaubenden Tempo weiter. Nach 50 Sekunden waren drei Treffer gefallen, Coburg wieder auf sieben Tore weg.

„Macht doch mal ruhig“, kam es dann aus Munde von Jan Gorr, als seine Mannen auf dem Feld zu wild weiter wirbeln wollten. Denn anderes als Hamm, das sein Heil in der Flucht nach vorne suchen musste, hatte Coburg mehrere Optionen. Denn die Trefferquote würde nicht bei den 87 Prozent bleiben, wo sie nach 40 Minuten stand. Oder doch? Am Ende waren es tatsächlich immer noch überragende 77 Prozent.

Hamm gab sich trotz allem noch lange nicht geschlagen. Obwohl der klaren Rückstand kaum aufholbar war, versuchten sie alles um ihn wettzumachen – Rothenpieler nestelte mit seinem Co-Trainer nach 45 Minuten an der Taktiktafel herum. Viel hatte er schon probiert, aber dem HSC war schwer beizukommen. Auch auf die Manndeckung von Varvne wussten sie die richtige Antwort. Wie von Gorr gefordert, machten sie nun eher ruhig, spielten ihre Angriffe länger aus. Coburg verwaltete, mit teils sehenswerten Toren, den Vorsprung, Schröder verpasste mit einem Wurf auf das leere Tor den zweistelligen Abstand. Denn Zwölf Minuten vor dem Abpfiff zog Rothenpieler seinen letzten Trumpf – den siebten Feldspieler, stellte das Experiment aber nach vier Minuten ein. Nach dem Schlusspfiff mischte sich Marcel Timm unter die Fans und stimmte dann von dort aus das Humba-Humba an …

 

 

Stimmen

HSC-Trainer Jan Gorr: „Wir hatten noch dieses letzte Spiel aus dem Mai im Gepäck und heute aber schwächere Phasen überstanden, insgesamt dominiert. Die sehr gute Deckung, mit der wir toll ins Spiel gefunden haben, konnten wir allerdings nur zu zwei Dritteln halten. Wir haben immer wieder Lösungen gefunden und mit viel Geschwindigkeit agiert.“

ASV-Trainer Kay Rothenpieler: „Viele technische Fehler, Zeitstrafen, wenig Dagegenhalten – das Spiel hat begonnen, so wir es nicht wollten. Das war heute zu wenig. Was wir auch probiert haben, Coburg hat dagegengehalten und uns auseinandergenommen. Wir sind, auch mental, nicht richtig in diese Spitzenpartie reingekommen. Das überragende Spiel von Stefan Lex war zu wenig.“

 

 

Statistik

HSC 2000 Coburg – ASV Hamm-Westfalen                                                                                        36:28 (19:13).

HSC 2000 Coburg: Jan Kulhanek (20 Gegentore, 16 Paraden), Konstantin Poltrum (8 Gegentore, 1 Parade); Maximilian Jaeger (4), Lukas Wucherpfennig, Felix Sproß (4), Sebastian Weber, Florian Billek (11/5), Marcel Timm (3), Pontus Zetterman (1), Girts Lilienfelds, Tobias Varvne (4), Stepan Zeman (1), Andreas Schröder (8). Trainer: Jan Gorr.

ASV Hamm-Westfalen: Felix Storbeck (14 Gegentore, 2 Paraden), Oliver Krechel (22 Gegentore, 4 Paraden) ; Fabian Huesmann (9/5), Oliver Milde (1), Jan Brosch (1), Markus Fuchs, Alex Rubino Fernandez, Jakob Schwabe (3), Stefan Lex (11), Ivar Stavast (1), Sören Südmeier (2), Vyron Papadopoulos, Merten Krings, Jan Pretzewofsky, Marten Franke. Trainer: Kay Rothenpieler.

SR: Michael Kilp / Christoph Maier

Spielfilm: 1:1 (1.), 2:2 (6.), 4:2 (7.), 6:3 (11.), 7:3 (14.), 9:3 (15.), 10:5 (17.), 12:5 (18.), 12:7 (20.), 14:10 (23.), 15:10 (24.), 15:11 (26.), 17:13 (27.), 19:13 – 21:14 (31.), 23:15 (33.), 24:16 (36.), 27:19 (39.), 28:21 (42), 29:21 (43.), 31:24 (47.), 33:24 (51.), 35:27 (56.), 36:28.

Zuschauer: 2.851

Siebenmeter: 5/5 – 5/5

Strafminuten: 6 (Zeman, Jaeger, Varvne) – 8 (Franke, Lex, Milde, Fuchs)

Beste Spieler: Schröder, Kulhanek, Billek – Huesmann, Lex.

 

Artikel: RALPH BILEK

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