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Einen halben Schritt nach vorne für Erlangen-Bruck

Brooklyn United macht einen halben Schritt nach vorne und sichert sich die ersten beiden Saisonpunkte gegen den SV Anzing. Im zweiten Heimspiel in Folge der jungen Bayernligasaison 2019-2020 lassen die Erlanger ihr Potenzial zum Vorschein kommen, wenn auch nur über die Dauer einer Halbzeit. Aber schön der Reihe nach. Letzte Woche hatte man den Auftakt in den Sand gesetzt, da gegen die TG Landshut nicht wirklich viel funktionierte. Lediglich Neuzugang, aber doch Altbekannter, Florian Funke überzeugte mit elf Treffern, doch ansonsten musste man noch an einigen Stellschrauben drehen.


Die neu formierte Mannschaft besteht beinahe aus so vielen Neuzugängen, wie Drittligaspielern aus der letzten Saison und so wurde zu Vorbereitungsbeginn die Marschroute klar festgelegt: Kleine Brötchen backen und sich erst mal sicher in der Bayernliga etablieren. Mit den Aufstiegsplätzen wird man vermutlich nicht viel zu tun haben und so will man sich im Kollektiv auch eher darauf konzentrieren mannschaftlich zu wachsen und eine neue Einheit zu formen, die sich gegen die stärksten Mannschaften Bayerns behaupten kann.

So nimmt man sich quasi selbst etwas Druck gegenüber den Gegnern, die sich in ihren Vorberichten und Nachberichten mehrfach in der Formulierung wiederholen, dass der TV 1861 Erlangen-Bruck diese Saison als Absteiger Meisterschaftsfavorit ist.

Neue Saison, alte Probleme

Nach der angesprochenen Neuverpflichtung talentierter, junger Spieler und der wohl besten Vorbereitung, welche man beim TV 1861 Erlangen-Bruck bisher gesehen hat, muss man sich mal wieder den bekannten Widrigkeiten stellen. Neben ein paar wenigen, aber umso wichtigeren Helfern, sind die Mannschaften weitestgehend auf sich selbst gestellt, wenn es um Organisation jeglicher Art geht. Viel Zeit und Mühe wurde investiert, um einen halbwegs reibungslosen Ablauf im Ligaalltag herzustellen.

Auch die Hallenproblematik ist dieses Jahr wieder ein Riesendorn im Auge, aber wenn wir uns jetzt wieder über die Erlanger Hallenbelegung auslassen, überspringen die meisten Leser diesen Absatz wohl, da es ein allzu bekanntes Thema ist. Fakt ist, dass die erste Mannschaft aktuell mit 1,5 Trainingszeiten in der Woche dasteht und das Beste aus dieser kurzen Zeit machen muss. Genug gejammert, jetzt zum Spiel.

Personell umdisponiert

In der vergangenen Woche brach die kursierende Grippewelle auch über Brooklyn United herein und erwischte die Außenpositionen mit Lukas Schalk und Christian Eichhorn. So musste kurzfristig noch etwas personell umdisponiert werden, bevor die Trainer ihre 14 Mannen beisammenhatten. Man nahm sich in der ersten Halbzeit die Worte von „Motivator“ Ben Ljevar wohl etwas zu sehr zu Herzen und steckte die gesamte Energie in die Abwehrarbeit. Dies funktionierte auch weitgehend ganz ordentlich und man ließ lediglich elf Gegentore zu.

Jedoch besteht das Handballspiel nicht nur aus der Defensive, sondern am Ende gewinnt dann doch die Mannschaft, welche nach Ablauf der Spielzeit die meisten Tore erzielt hat. Klingt komisch, is‘ aber so. Und die Offensivleistung in der ersten Spielhälfte war auf Brucker Seite einfach nur zum Wegschauen. Zahllose technische Fehler, Kopflosigkeit gepaart mit Unsicherheit und kein nennenswerter Zug zum Tor hielten die Torausbeute im einstelligen Bereich. Man schaffte es nicht, in Führung zu gehen, und lief immer einem knappen Rückstand hinterher. Eine Umstrukturierung musste her und zwar schnell. Da kam der Pausenpfiff beim Spielstand von 9:11 gerade recht.

Feuer unterm Hintern

Man machte sich gegenseitig ordentlich Feuer unterm Hintern und brannte darauf es Schiedsrichtern, Zuschauern und Gegner zu zeigen, dass man weit mehr auf dem Kasten hatte, als das was man bisher präsentiert hatte. Die etatmäßigen Außenspieler wurden durch Philipp Hirning und Jan Völcker ersetzt und unter großer Begeisterung sah man die Rückkehr von Sebastian Duscher. Dieser wollte nach dem Ausflug in die dritte Liga kürzertreten und sich lediglich als Feuerwehrkraft anbieten, wenn irgendwo einmal Not am Mann sein sollte. Doch es dauerte nicht lange, bis ihn die Lust am Handball wieder packte und er mit Feuer und Flamme am Trainingsgeschehen teilnahm.

Auf dem Feld machte er den Anzingern das Leben schwer, indem er immer wieder unermüdlich in der gegnerischen Defensive Unruhe stiftete und mit voller Entschlossenheit durch die Lücken brach. Das Spiel kippte und Brooklyn United gewann die Oberhand. Als dann auch noch die Einwechslung von Jörn Marks, der aus der zweiten Mannschaft letztes Jahr nachgerückt war, Früchte trug, zog man Tor um Tor davon. Die Angriffsleistung hatte sich um 180 Grad gedreht und man zerlegte nach allen Regeln der Kunst die oberbayrischen Gäste, welche immer mehr ins Schwimmen geraten und sich noch die Augen rieben, verwundert über die exorbitante Leistungssteigerung der Heimmannschaft.

Überlegt agierende Abwehr

In der Offensive wurde wieder mit Ruhe und Plan gespielt, was in der ersten Halbzeit noch stark zu vermissen war und die aggressive Offensivdeckung der Anzinger Löwen fand kaum noch Zugriff auf die überlegt agierenden Erlanger. Dass der Torabstand zwischen den Mannschaften immer mehr anwuchs hatte genau drei Gründe: Philippe Golla, die Torhüterleistung von Philippe Golla und Philippe Golla. Der Jungspund vernagelte sprichwörtlich seinen Kasten nach Zapf-Manier und ließ in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit lediglich vier Treffer zu. So konnte man sich in einen Rausch spielen und als sich dann auch noch Mirko Scholten als treffsicherer Strafwurfschütze präsentierte (liegt vermutlich am Alter… äh an der Erfahrung), war den Bruckern der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Lediglich Sebastian von der Burg wurde vom Hype nicht mitgerissen und begab sich nach einem Scharmützel mit Gegenspieler Hoxha auf die Tribüne. In den letzten Minuten wurde noch ein wenig für die Galerie gespielt und mit 28:20 waren die ersten zwei Saisonpunkte unter Dach und Fach.

Es reichte also eine gute Halbzeit, aber das sollte nicht die Marschroute für die Zukunft bleiben. Der Sonntag gestaltete sich für die gesamte männliche Handballabteilung als voller Erfolg, nachdem sich die Rookies in einem packenden Derby gegen MTV Stadeln mit einem Tor durchsetzen konnten und auch die dritte Mannschaft durch einen direkten Freiwurf in letzter Sekunde von Sven Eskofier erfolgreich war. Nächstes Wochenende steht das erste Auswärtsspiel im Würzburger Raum an gegen die DJK Waldbüttelbrunn, wo man auf alte Bekannte trifft. Metti, wir freuen uns auf dich!

 

Bericht: TV 1861 Erlangen-Bruck, Bild: Kauri Spirit - Ulf Thaler

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