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„Ohne Schiedsrichter funktioniert das Spiel nicht“

Markus Kauth (23) und André Kolb (24) sind zwei bayerische Schiedsrichter, die dabei sind, die Karriereleiter ganz nach oben zu klettern. Jugendbundesliga, dritte Liga, Erfahrungen in der zweiten Liga und ein Spiel der ersten Frauenliga - das alles gehört zu ihrem Portfolio und damit sind sie noch lange nicht am Ende.


 

Aber von vorne: Markus Kauth war früher Handballer der HSG Würm-Mitte und startete 2010 mit dem Pfeifen. Sein späterer Teamkollege André Kolb kommt aus Olching, war ebenfalls aktiver Handballer und hat ein Jahr später als sein Kollege die Pfeife in die Hand genommen. In der Bezirksoberliga mit anderen Gespannen unterwegs wurde beiden schnell klar, sie wollen mehr und so haben sie sich auch gefunden: „Unseren früheren Gespannspartnern waren andere Themen wichtiger. Unser Kontakt kam über den Bezirksschiedsrichterwart und dann ging es recht schnell. Wir haben zweimal in der Bezirksoberliga gepfiffen und direkt gesagt wir probieren die nächste Saison zusammen. Dann haben wir im B-Kader des BHV in der Landesliga gepfiffen, das lief gut und es ging steil bergauf“, erzählt André Kolb vom Beginn ihrer Karriere. Mittlerweile sind die Beiden über den DHB-Perspektivkader das zweite Jahr im DHB-Nachwuchskader. Dort können sie drei Jahre lang bleiben und Punkte sammeln durch DHB-Beobachtungen und Vereinsbewertungen für die weitere Kaderzuteilung. „Für das Ende der kommenden Saison müssen wir dann entweder den Schritt in den Zweitligakader machen oder es geht für uns in die dritte Liga – da muss man natürlich sagen ist die Zielsetzung für uns lieber die zweite Liga“, erklärt Markus Kauth.

Zwei Spiele pfeifen die Beiden jedes Wochenende und dabei sind die Entfernungen nicht gerade um die Ecke: „Dass wir in Bayern pfeifen, ist die Ausnahme. Für uns ist Stuttgart quasi ein Heimspiel, ansonsten sind wir in ganz Deutschland unterwegs“, erzählt Kolb. An diesem Wochenende sind die Beiden ausnahmsweise in der Heimat angesetzt zum Jugendbundesligaspiel der Handballakademie Bayern gegen den VfL Günzburg. Ein richtiges Heimspiel, worüber sich Kauth/Kolb schon bei der Anreise freuen – sechs Kilometer, sowas gibt es für sie sonst nicht. Ihre Konzentration gilt aber auch bei der kurzen Anfahrt schon voll dem Spiel, denn Routine gibt es als Schiedsrichter nicht: „Wir sind Beteiligte des Spiels und wir haben den Anspruch da jedes Spiel 100 Prozent durch zu ziehen, egal bei welchem Spielstand“, beschreibt André Kolb ihre Grundeinstellung. „Es kann in jedem Spiel eine Situation kommen, die dich überrascht. Du musst dich immer gut vorbereiten, denn schwierige Situationen können immer kommen und dann kannst du auch in einem Jugendbundesligaspiel baden gehen“.

Aber damit das nicht passiert, wird auch unter der Woche hart gearbeitet: Zweimal die Woche Laufen gehen oder ins Fitnessstudio, dazu kommen Videoanalysen von Spielen am Computer, Live-Spielbeobachtungen und vier Stützpunkttrainings pro Jahr. Gerne würden die beiden auch mit einer Mannschaft zusammen trainieren, „aber nach Erlangen fahren wir zwei, zweieinhalb Stunden, das ist einfach zu weit für das Training unter der Woche. Auch der Austausch mit einer Erstligamannschaft, das würden wir uns hier vor Ort schon wünschen“. Neben einer Erstligamannschaft im Süden von Bayern hoffen Sie aber auch auf Nachwuchs im Schiedsrichter Bereich. „Man muss wegkommen von diesem Bild den Schiedsrichter als Gegner zu sehen. Leider ist das noch so, aber am schwierigsten ist wirklich der Einstieg. Danach wird es immer geiler“, erklärt Markus Kauth. „Man wird als Schiedsrichter als Bestandteil des Spiels wahrgenommen, denn es funktioniert einfach nicht ohne dich. Die Mannschaften entwickeln ein Verständnis dafür, dass so wie der eigene Mitspieler mal einen Pass ins Aus wirft auch beim Schiedsrichter mal ein Pfiff schief sitzt. So ist das ein viel menschlicher Umgang“.

 

Das Zusammenspiel von Mannschaft und Schiedsrichter konnten Sie auch bei der Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark beobachten und analysieren. Am Austragungsort in München haben sie dabei alte Bekannte wieder getroffen: „Es war wirklich toll mal wieder daheim auf der Spielwiese zu sein und die Funktionäre des BHV wieder zu sehen. Man hat viele aus der Handballszene gekannt und sich austauschen können, wirklich toll für uns“.

Während der WM in München waren Sie zwar nicht auf dem Handballspielfeld aktiv, aber haben neben dem Spielfeld für den Handball gearbeitet und die Schiedsrichter betreut, die bereits dort sind, wo Kauth/Kolb einmal hinwollen. „Im Schiedsrichterwesen ist es so, dass man ab dem Punkt, wenn man in die Halle kommt jemanden hat, der quasi alle Anliegen erfüllt“, beschreibt Kauth das Aufgabenfeld. Neben Müsliriegelbesorgen und Eis bereitstellen haben Sie aber auch die Chance zum Austausch genutzt und die WM-Schiedsrichter genau bei ihrer Arbeit beobachtet: „Wir schauen da weniger auf die Spielertypen, wir schauen auf die Schiedsrichter, was macht ein Argentinier, was macht ein Tunesier, was machen die Dänen. Das sind natürlich Vorbilder die Dänen. Die zu sehen ist schon toll“.

Vorbilder sind für Kauth und Kolb aber nicht nur die dänischen Schiedsrichter Gjeding/Hansen, sie schauen sich viele Handballspiele an und achten auf die Schiedsrichterentscheidungen. „Man kann keinen kopieren, es ist die Kunst eine eigene Marke aufzubauen und seinen eigenen Charakter zu entwickeln. Wir sind Kauth/Kolb und nicht die Dänen“, erklärt André Kolb. „Es ist eher so ein Abschneiden von jedem“, meint Markus Kauth weiter, „Man versucht herauszufinden - das passt zu mir und das kann ich so anwenden. Ich kann nichts kopieren, was nicht zu meiner Art passt, dann wirkt es unauthentisch“.

Wie sonst die langen Fahrtwege und Handballwochenenden bei Markus Kauth mit einem Studium nebenher und André Kolb neben der Arbeit funktionieren? „Geht halt, Zeitmanagement“, lacht Markus Kauth. „Da gehört ein flexibler Arbeitgeber dazu, flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten, das sind die wichtigsten Dinge und nur dann lässt sich das auch umsetzen“. Wegen der Arbeit mussten die beiden noch nie ein Spiel abgeben, sie haben ihr Leben an den Handball angepasst und ihr Hobby zum Nebenjob gemacht: „Als Student ist das ein Bomben-Nebenjob, das ist ein finanzieller Anreiz und auch die persönliche Weiterentwicklung macht viel aus. Man reift für den Beruf, ob es da um Selbstsicherheit der Kommunikation geht, ich glaube das sind Softskills oder -facts, die im beruflichen Bereich immer gefragter werden“, so André Kolb. Aber natürlich pfeifen sie nicht wegen des Geldes. Für die beiden ist es besonders spannend, „Bestandteil des Spiels“ zu sein und „Bombenspiele auf hohem Niveau leiten zu können ist ein riesiger Anreiz“.

Auch wir wünschen den Beiden noch viele Bombenspiele und viel Erfolg für ihre weitere Schiedsrichterlaufbahn!

 

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