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TS Herzogenaurach: Mit Teamgeist & Talenten aus der Region in der 3. Liga bestehen

Nachdem die Drittliganeulinge aus Herzogenaurach schon gegen etablierte Teams mitgehalten und gegen direkte Abstiegkonkurrenten gepunktet haben, ist mit dem Sieg gegen Haunstetten die erste dicke Überraschung gelungen: "Wir haben unsere Außenseiterchance glanzvoll genutzt", meint Klaus Watzinger, der Vater des Erfolgs, der ehemalige BHV-Kader zu drittligareifen Spielerinnen weiterentwickelt.


Gemeinsam mit dem Quereinsteiger Mirko Scholten, der erst 2009 den Handballsport für sich entdeckt hat (zuvor war er Turner und Trampolinspringer), hat Klaus Watzinger, ehemaliger BHV-Trainer und Referent, den Bayernligameister auf Kurs gebracht für das Abenteuer 3. Liga. Der Überraschungserfolg im Bayernderby war Anlass zu einem Interview mit Klaus Watzinger.

Wie ist es zu dem gemeinsamen Engagement bei den Herzogenauracher Damen gekommen? 

Wir haben vorher schon in Erlangen zusammengearbeitet. Neben seiner eigenen Entwicklung vom Turner zu einem spielstarken Kreisspieler beim derzeitigen Spitzenreiter der Bayernliga der Männer (TV 61 Erlangen-Bruck) interessierte sich Mirko auch recht bald für die Trainertätigket. Er übernahm beim HC Erlangen eine weibliche B-Jugend und arbeitete seitdem recht eng mit mir im weiblichen Bereich des HC Erlangen zusammen. Im Spieljahr 2015/2016 war er maßgeblich am Bayernmeistertitel der weiblichen A-Jugend des HC Erlangen, die wir gemeinsam trainierten, beteiligt. Als die Anfrage für das Traineramt bei der TSH an mich gerichtet wurde, hatte ich sofort die Idee, den 3. Liga-Aufsteiger gemeinsam mit Mirko zu trainieren und zu betreuen.

Unsere Idee war dann, eine spielstarke Mannschaft, zu der schon einige unserer Spielerinnen aus HCE-Zeiten dazugestoßen waren, mit Spielerinnen zu ergänzen bzw. zu verstärken, die wir aus früheren Zeiten kannten und die unserer Meinung nach gut zu der Mannschaft passten.
Uns ging es darum, ein echtes „Team“ aufzubauen, einen ausreichend großen Kader zusammenzustellen und die Mannschaft insgesamt systematisch an die wesentlich höheren Anforderungen in der 3. Liga heranzuführen.

Mit welcher Spielphilosophie seid ihr in die 3. Liga-Runde gegangen?
Ausgehend von einer stabilen, aber auch beweglichen und flexiblen Abwehr (Grundsystem ist eine variabel gespielte 6-0-Formation) wollen wir die Schnelligkeit unserer Außenspielerinnen zum Tempospiel nutzen, um die „leichten“ Tore zu erzielen. Dies ist in der 3. Liga allerdings erheblich schwerer zu realisieren als in der Bayernliga, in der das TSH-Team ca. 60 Prozent der Tore über den Gegenstoß erzielte, denn alle Mannschaften beherrschen eine gute Rückzugsbewegung. Somit versuchen wir die erste Welle durch ein systematisch gespieltes Gegenstoßkonzept zu untermauern, um im Tempospiel Erfolg zu haben.
Im Angriffsspiel werden alle bekannten Auslösehandlungen angewandt. Aus einem konsequenten Passspiel heraus sollen aber dann selbstständig Lösungen in den Entscheidungssituationen gefunden werden, d. h. wir legen besonderen Wert auf die individuelle Schulung der Handlungsalternativen vornehmlich in der Kleingruppe.
Auch an der Gestaltung des Spieltempos mit entsprechenden Rhythmuswechseln wird im Training intensiv gearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fehlerminimierung bei gestiegenem Spieltempo sowie die Verbesserung der Chancenauswertung durch eine optimierte Wurftechnik und
Wurfvariabilität. Insgesamt werden alle Spielerinnen auf mehreren Postionen geschult und auch eingesetzt, sodass sich dadurch viele Aufstellungsalternativen ergeben.
Alle drei Torhüterinnen sind in das Gesamtkonzept eingebunden, auf das Zusammenspiel zwischen Torwart und Abwehr wird besonderes Augenmerk gelegt. Die individuelle Weiterentwicklung der Torhüterinnen ist ebenfalls ein grundsätzliches Thema und für uns von hoher Bedeutung. Leider konnte unsere TW-Trainerin Maja Gubova (ehemalige BL-Torhüterin beim 1.FCN) aus privaten Gründen das TW-Training nicht weiterführen. Hier suchen wir nach einer Lösung.

Wie sieht die Einbindung und Entwicklung junger Talente aus? Einige Namen kennt man aus der BHV-Auswahl, oder?
Das ist richtig. Durch den Aufstieg in die 3. Liga wollen wir spielfähigen Talenten aus der Region die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln und ihren Fähigkeiten gemäß anspruchsvoll Handball zu spielen. Dass dies bisher schon recht gut gelungen ist, zeigt sich an den ehemaligen BHV-Auswahlspielerinnen Saskia Probst, Laila Schneidereit (beide Jg 98) und Laura Wedrich (Jg 97). Alle drei haben sich sehr schnell in der Liga zurechtgefunden und sich unglaublich schnell zu Leistungsträgerinnen entwickelt. Auch die Torhüterinnen Juliane Gerling (Jg 98) und Kira Knauer (3. TW, BHV -Auswahl 97) sowie Kreisspielerin Kristin Lang (JG 97) haben riesiges
Entwicklungspotential und sind aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Wie sieht das bisherige Saisonfazit aus? Ihr seid in der 3. Liga angekommen und könnt zufrieden sein.
Nachdem die Mannschaft schon in den vorhergehenden Spielen zeigen konnte, dass sie spielerisch in der 3. Liga mithalten kann, ihr oftmals aber die nötige Konstanz und Cleverness fehlte, um Spiele gegen etablierte Mannschaften wie den TSV Kandel, die HSG Freiburg oder den SV Allensbach letztlich erfolgreich zu gestalten, ist der Knoten ausgerechnet im Bayernderby gegen den spiel- und abwehrstarken TSV Haunstetten geplatzt, die zuvor vier Spiele in Folge gewonnen hatten. Gegen direkte Abstiegskonkurrenten (Ketsch II, SG OBK, Waiblingen II) haben wir sechs wichtige Punkte eingefahren. Gegen Haunstetten hatten wir höchstens eine Außenseiterchance, die wir glanzvoll genutzt haben."

Was war euer Erfolgsrezept im Bayernderby?
Die Mannschaft hat alle taktischen Vorgaben sehr gut umgesetzt:  Die flexible 6-0-Formation hat das schnelle Passspiel von Haunstetten immer wieder unterbunden, die gefährlichen Rückraumwerferinnen Annika Schmid und Sarah Irmler frühzeitig angenommen und am Wurf gehindert. Im Angriff haben wir geduldig gespielt gegen die 3-2-1-Abwehr und mit geeigneten Auslösehandlungen die großen Räume genutzt. Durch einen schnellen aktiven Rückzug hatten wir auch das Tempospiel im Griff.

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