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"Als Mannschaft können wir bei der Heim-WM Großes erreichen"

Mit dem Publikum im Rücken, mit Emotionen, Kampfgeist und Leidenschaft! So Isabell Klein im BHV-Interview. Nach den Lehrgängen in Rotenburg und Leverkusen bestreitet sie morgen (Freitag, 24.11. um 19 Uhr) das vorletzte Testspiel gegen die Slowakei. Der Länderpokalsieg mit dem Bayerischen Handball-Verband war der Beginn ihrer Nationalmannschaftskarriere.


Mit 84 Länderspielen gehörst Du zu den erfahrenen Spielerinnen im DHB-Dress. Die Heim-WM wäre Deine 3. WM-Teilnahme. Welche Erinnerungen hast Du an Deine bisherigen WM-Turniere?
Meine erste WM war 2009 in China, das war damals auch mein 1. großes Turnier. Das war natürlich sehr aufregend, so eine weite Reise mit Jet-Lag, einer komplett anderen (Essens-)Kultur, einer anderen Sprache, Schilder – nichts versteht man.
Meine 2. WM in Brasilien - nächster Kontinent - war wieder sehr exotisch,  insgesamt großartig, aber sportlich leider nicht so erfolgreich. Nach meiner verletzungs- und schwangerschaftsbedingten Pause freue ich mich nun sehr auf meine 3. WM in Deutschland. Eine WM an sich ist ein Riesen-Event, dann noch im eigenen Land, das ist nicht zu toppen. Dementsprechend riesig ist auch die Vorfreude.

Was sind Deine persönlichen Ziele bei den Lehrgängen in Rotenburg und Leverkusen?
In Rotenburg lag der Schwerpunkt ausschließlich auf dem Taktischen. Wir kommen alle aus der Runde, wir sind alle sehr hoch belastet. Die körperliche und physische Intensität war nicht so hoch, dafür war die Belastung für den Kopf umso höher. WIr sind mit einem breiten Kader in die Vorbereitung gestartet, damit wir für alle Eventualitäten und Ausfälle gewappnet sind und damit alle komplett im Spielkonzept drin sind.
Beim Lehrgang in Leverkusen lag der Schwerpunkt dann erstmal auf der Athletik – das war bei der letzten EM ein dickes Plus von uns, dass wir in den Spielen hinten raus immer noch einmal zulegen konnten. Bei den Lehrgängen und den Testspielen am Wochenende geht es natürlich darum, sich als Team einzuspielen. Deshalb steht das Persönliche bei keinem im Vordergrund, sondern es geht um das Gesamtprojekt – das große Ziel.

Was kann die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bei der Heim-WM erreichen?
Der DHB hat das Halbfinale als Ziel vorgegeben. Wir haben oft genug bewiesen, dass in der Mannschaft ein unglaubliches Potential steckt, dass wir jeden schlagen können. Bislang war die fehlende Konstanz unser Manko. Es gab immer Phasen, wo wir das, was wir können, nicht performen.
Ich bin der Meinung, dass wir als Mannschaft große Dinge erreichen können – das hängt natürlich von uns ab. Der Heimvorteil wird aber ein großer Faktor sein, der uns tragen kann – vor allem in den Spielen oder Phasen, wo die Konstanz fehlt. Das Publikum wird uns einfach tragen und in den Flow bringen. Das hat man bei der Männer WM 2007 ja gesehen.

Was erhoffst Du Dir im Nachgang der Heim-WM für den Mädchen- und Frauenhandball in Deutschland?
Da muss man zunächst die Arbeit von Michael Biegler und Wolfgang Sommerfeld hervorheben, die beide nicht an einem kurzzeitigen Effekt, sondern an einer langfristigen Entwicklung interessiert sind, die junge Leute herantragen und die dafür sorgen, dass die Performance in die Öffentlichkeit getragen wird. Werte wie Kampf, Leidenschaft zeichnen unsere Mannschaft aus. Individuelle fehlende Qualitäten können wir kompensieren durch Emotion, Leidenschaft, Engagement, Kämpfen bis zum Umfallen. Dadurch können wir die Leute auch mitnehmen und erreichen. Es gibt auch andere Stellschrauben, wie die Vermarktung, aber natürlich hängt es von unserem Erfolg ab, wie viel Aufmerksamkeit das ganze Projekt bekommt.

Du und Dein Mann Dominik seid ein Paradebeispiel dafür, dass man Leistungssport und Familie unter einen Hut bringen kann. Wie gelingt es euch?
So häufig gibt es die Kombination wahrscheinlich nicht, dass zwei Leistungssportler gleichzeitig auf hohem Niveau spielen und gleichzeitig aktiv sind. Das schafft man nur mit einem großen Terminkalender. Wir sind extrem durchgeplant und sehr gut organisiert.
In Frankreich hat uns ein Au Pair unterstützt. Es bedeutet aber auch, Abstriche zu machen. Manchmal kommt das Familienleben zu kurz, weil wir sehr viel unterwegs sind, die Spielpläne nicht gut passen – einer spielt auswärts, der andere zu Hause, der eine kommt wieder, der andere ist schon weg, man sieht sich nicht. Das war uns bewußt, aber wir versuchen trotzdem, so viel „Quality Time" (Familienzeit) wie möglich miteinander zu verbringen. Unser Sohn ist ein glückliches Kind und macht alles prima mit.

Wie hast Du es nach der Geburt eures Sohnes geschafft, so schnell wieder in den Spitzenhandball zurückzukommen?
Wir haben inzwischen drei Mamis in der Mannschaft, die es alle wieder gut hinbekommen haben. Mit Disziplin und dem was Leistungssportlerinnen auszeichnet: In der Schwangerschaft noch viel Sport treiben, weil es der Körper gerne mitmacht, und danach mit guten Plänen an der Hand wieder durchstarten.

Welche Erinnerungen hast Du an Deine Zeit in der BHV-Auswahl?
Ausschließlich Positive: Zum einen sind damals sehr schöne Freundschaften entstanden, zum anderen waren wir auch erfolgreich:  2000 haben wir auf Sylt den Länderpokal gewonnen, das war dann auch der Beginn meiner Nationalmannschaftskarriere.
Ich verbinde damit auch sehr gute Trainer, die mich geprägt haben. Dafür bin ich sehr dankbar. Vor allem Christoph Kolodziej, der mein Handballspiel und mein Handballdenken geprägt hat. Schade, dass es zwar viele gute Talente gibt, aber nur wenige in Bayern bleiben können.

Vom Norden Deutschlands hat es euch von Buxtehude und Kiel in den Süden nach Frankreich verschlagen. Sind eine Rückkehr nach Bayern und ein Ausklang eurer Handballkarrieren in Bayern denkbar?
So wie die Norddeutschen ihr weites Meer brauchen, so fehlen uns die Berge. Keine Frage: In Bayern sind unsere Wurzeln, unsere Familie, unsere Freunde. Es wäre schon schön, wenn man irgendwann wieder zurückgehen könnte. Sportlich ausklingen wird schwierig. Aber vielleicht kann man ja irgendwie weitergeben, was man selbst in der Jugend bekommen hat. Mal sehen, ob es nicht irgendwann doch dazu kommt, dass wir im Bayerischen Handball aktiv werden.

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